Die Menopause und die Nierenenergie

Deine Nieren in den Wechseljahren: Was die chinesische Medizin seit Jahrtausenden weiß

In der chinesischen Medizin stehen die Nieren in Verbindung mit: dem Wasserelement, dem Wasser in unserem Körper und allen Erscheinungsformen von Wasser in unserer Umwelt; der Wurzelenergie unseres Körpers; unseren unterbewussten Erfahrungen; der Farbe des Nachthimmels; Schwarzen Löchern im Kosmos; dem kosmischen Schoß tief in unserem Gedächtnis sowie dem Schoß unserer Mutter – jener ersten wässrigen Umgebung, aus der wir in unser irdisches Leben treten; und schließlich der Leere – sowohl der leeren als auch der fruchtbaren Leere in unserem Körper, aus der neues Leben hervorgeht.

Die Nieren tragen deine gesamte Geschichte deines Lebens und auch die AhnInnenenergie in sich – von deiner Geburt bis zu diesem Moment.

Körperlich sind die Nieren zudem mit den Ohren, den Knochen und dem Mark, dem salzigen Geschmack, unserer Ahnenlinie, dem Fortpflanzungssystem, der Emotion der Angst, dem Gefühl der Ehrfurcht, dem Aspekt unseres Geistes, der als Willenskraft bekannt ist, sowie einer geheimnisvollen Substanz namens *Jīng* (精) – oft als „Fortpflanzungsessenz“ oder schlicht „Essenz“ übersetzt – verknüpft.

Kein anderes Organpaar wird in der TCM so feierlich beschrieben wie deine Nieren. Und kein anderes Organpaar rückt in den Wechseljahren so deutlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Wenn du verstehst, warum das so ist, verstehst du auch, warum so viele der Beschwerden dieser Lebensphase – die Erschöpfung, die innere Unruhe, das Frieren oder die Hitze, der unruhige Schlaf – aus einer einzigen, gemeinsamen Wurzel zu entspringt.

Die Wurzel des Lebens

In der TCM tragen die Nieren den Beinamen Xiantian zhi Ben – die Wurzel des vorgeburtlichen Lebens. Sie speichern etwas, das Jing genannt wird: deine ererbte Essenz.

Sie verleihen dir durch die Knochen und die Willenskraft Stabilität und Stärke. Sie bilden einen Anker für deine Verbindung zur Erde und zu unseren Vorfahren, aber auch – durch die Beziehung zu unserem Geist – zu unserem Schicksal.

Die Nieren sind mit unserer Urkraft, unserer Überlebensenergie sowie der sexuellen und reproduktiven Energie des Körpers verbunden.

Es ist das Quantum an Lebensenergiel, dass du bei deiner Geburt mitbekommen hast und das dich seither durchs Leben trägt. Stell dir dieses Jing wie einen tiefen, stillen Brunnen vor, der schon lange vor dir gefüllt wurde und aus dem du dein ganzes Leben lang schöpfst. Im Tantra nennt man es Ojas. Das Konzept ist in etwa dasselbe.

Dieses ererbte Jing lässt sich nicht einfach wieder auffüllen. Jede Handlung, jeder Lebensstil kostet dich Lebensenergie.

Und dann gibt  noch einen zweiten, ergänzenden Strom: das nachgeburtliche Jing, das dein Körper täglich neu aus Nahrung, Atem und Ruhe gewinnt.

Genau hier setzen die Übungen an, die du Kurs: „Die Menopause als Portal der Kraft“ findest – sie füllen nicht dein ursprüngliches Erbe wieder auf, aber sie stärken den täglichen Nachschub, der dir in dieser Lebensphase besonders zugutekommt.

Die Wechseljahre markieren in Verbindung mit den Nieren keinen Mangel, sondern einen Wendepunkt:

Den Moment, in dem dein Körper beginnt, seine Essenz bewusst bei sich zu behalten, anstatt sie monatlich abzugeben.

Die klassische chinesische Medizin beschreibt diesen Übergang bereits vor über zweitausend Jahren in Sieben-Jahres-Schritten – mit neunundvierzig Jahren, so heißt es im Huangdi Neijing, wird die Essenz der Frau neu geordnet, und die Menstruation kommt zur Ruhe.

„Die Nieren sind für das Erwecken von Kraft verantwortlich. Geschick und Fähigkeit entspringen ihnen.“
– The Secret Treatise of the Spiritual Orchard: A translation of Neijing Suwen von Claude Larre und Elizabeth Rochat de la Vallée

Zwei Gesichter derselben Kraft

Innerhalb der Niere unterscheidet die TCM zwei einander ergänzende Kräfte, die in den Wechseljahren besonders spürbar werden.

Nieren-Yin ist die kühlende, befeuchtende, nährende Substanz – sie hält Hitze in Schach und stabilisiert deinen Geist in der Nacht.
Ein Mangel zeigt sich klassisch als innere Unruhe, nächtliches Schwitzen, ein trockener Mund, ein Gefühl von Hitze an Handflächen und Fußsohlen.

Nieren-Yang ist die wärmende, antreibende Kraft – sie befeuert deinen Stoffwechsel und hält dich warm.
Ein Mangel zeigt sich als Kälteempfindlichkeit, besonders in Rücken und Knien, als Erschöpfung und ein Gefühl von Schwere. Die meisten Frauen erkennen sich stärker im einen oder anderen Muster wieder, und beide verdienen unterschiedliche Aufmerksamkeit – die folgenden Übungen und Lebensmittel wirken auf beide Aspekte, je nachdem, wie du sie einsetzt.

Das Gehirn ist über die Wirbelsäule, die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und die Hormonsysteme des Körpers eng mit den Nieren verknüpft. Die Funktionen reichen von der Regulierung des Wasserhaushalts, Filtration und Entgiftung des Blutes über die Wechselwirkung mit der Nebennierenrinde und den neuroendokrinen Systemen des Körpers.

Die Entwicklungszyklen im Laufe des Lebens stehen in engem Zusammenhang mit der Funktion der Nieren.

Die Knochen (einschließlich des Knochenmarks), die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, das Wachstum von Zähnen, Haaren und Haut sowie die tiefgreifenden Entwicklungsphasen werden von der Nierenfunktion gesteuert.

Da die Nieren als Dualität existieren, stehen sie auch in Beziehung zum Element Feuer und zum Herzen. Sie sind zwar primär mit dem Element Wasser verbunden, werden aber auch von Feuer und Wärme durchdrungen – und genau dieses Feuer und diese Wärme tragen dazu bei, einen gesunden Wasserstoffwechsel in den Nieren zu erzeugen.

Jīng – „Fortpflanzungsessenz“

 Jīng ist eine grundlegende Substanz im Körper, die an der Funktion der Nieren beteiligt ist.

Sie lässt sich sowohl als greifbar als auch als nicht-greifbar beschreiben: greifbar, da sie Teil der Materie ist; nicht-greifbar, da sie – ähnlich wie Wasser – wandelbar und formlos ist und eine alchemistische Natur besitzt, die in den Bereich des Bewusstseins oder Geistes hineinreicht.

Jīng steht in Verbindung mit dem Potenzial des Samens oder der Eizelle.

Jīng umfasst die gesamte schöpferische und intelligente Kraft, die einem Samen innewohnt und sich – geleitet durch eine innere Vorlage, aber auch durch die Wechselwirkung mit dem jeweiligen Ökosystem – zu einer einzigartigen Erscheinungsform entfaltet. Aus Sicht der modernen Biomedizin lässt sich sagen, dass Menstruationsblut, Eizellen, Samenflüssigkeit und Spermien Jīng enthalten.

Die Qualität von Eizellen und Spermien wird maßgeblich von der Nierenfunktion bestimmt.

Die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit gilt als die grundlegende Matrix, aus der neues Leben entsteht. Obwohl den Chinesen das Konzept der Zerebrospinalflüssigkeit nicht bekannt war, lässt sich dies als Symbol für das chinesische Verständnis der Funktionen von *jīng* sowie der Beziehung zwischen Niere und Gehirn deuten.

Für die alten Chinesen war *jīng* eine Art geheimnisvolle Substanz, die in enger Verbindung zu einem weiteren geheimnisvollen Aspekt namens *shén* stand – übersetzt …als „Geist“.

Jīng gilt als vergleichsweise greifbarer und dichter – verbunden mit der körperlichen Substanz und den Merkmalen unserer Abstammung –, während der Geist eher leicht und flüchtig ist und mit dem Bewusstsein, unserem Schicksal sowie dem Himmel in Verbindung steht.

Für die alten Weisen ermöglichte die alchemistische Vereinigung von Jīng und Shén im Körper ein gesundes, langes Leben, ein klares Bewusstsein und die Verkörperung unseres Geistes.

Lebensmittel und Heilmittel mit Bezug zu den Nieren

In der chinesischen Medizin wird den Nieren der Geschmack „salzig“ zugeordnet. Bei salzigem Geschmack denken wir oft an Produkte aus dem Meer, wie Meersalz, Meeresalgen, Fisch und Schalentiere. Auch tierische Erzeugnisse wie Fleisch, Eier und Knochenmark stehen in Verbindung mit den Nieren. Zudem werden die Nieren durch eine Vielzahl pflanzlicher Lebensmittel genährt.

Aufgrund ihrer Dualität werde die Nieren in Nieren-Yin und Nieren-Yang unterteilt.

Es gibt Lebensmittel und Heilmittel (pflanzliche, mineralische und tierische Substanzen), die allgemein als Stärkungsmittel für die Nieren dienen, sowie solche, die spezifisch dem Nieren-Yin oder dem Nieren-Yang zugeordnet werden.

Spargel ist beispielsweise ein Lebensmittel, das eine heilende Wirkung auf das Nieren-Yin hat und die Bildung von Körperflüssigkeiten fördert. Kidneybohnen und schwarze Bohnen wirken allgemein energetisch nährend auf die Nieren.

Ein interessantes Lebensmittel, das gezielt das Nieren-Yang nährt, ist die Walnuss; sie spendet Wärme und Nährstoffe für Gehirn und Mark. Die Walnuss ähnelt in ihrer Form einem Gehirn mit zwei deutlich ausgeprägten Hemisphären.

Mehr darüber erfährst du im Menopause Kurs.

Die Emotion der Angst

Die Nieren stehen in Verbindung mit den Emotionen Angst, Schreck und Schock.

Auf rein körperlicher Ebene zeigt es sich durch Reaktionen wie plötzlicher Harndrang oder Durchfall (Beim Zahnarzt kann man diese Reaktion gut beobachten.)

Diese Reaktionen treten in Situationen auf, die angstbesetzte Erinnerungen aus dem Unterbewusstsein wachrufen können, zum Beispiel beim öffentlichen Sprechen, bei Flug- oder Höhenangst oder bei der Angst vor Spinnen oder Schlangen.

Wenn Angst im Körper unterdrückt wird, zeigen sich vielfältige körperliche, emotionale und mentale Symptome udn besonders in der Menopause werden vergangene Ängste wieder hervorgeholt und noch einmal aus dem Körper herausgearbeitet.

Bisweilen treten Symptome von Nebennierenschwäche oder chronischer Erschöpfung auf, wenn eine Phase intensiven Stresses vorangegangen ist, in der die Angstreaktion des Körpers nicht verarbeitet werden konnte, um eine Integration der Angst zu ermöglichen.

Angst ist eine normale, gesunde Emotion, sofern du in der Lage  bist, sie zu verarbeiten und darauf zu achten, was sie im jeweiligen Augenblick von dir verlangt.

Der Tod lehrt dich über Angst, Loslassen und Hingabe, und die Niere ist ein Symbol für die Prozesse des Sterbens.

Doch es ist auch ein Symbol für den Prozess der Geburt und das Entstehen neuen Lebens.

Damit neues Leben entstehen kann, bedarf es eines Sterbe- oder Wandlungsprozesses, der die Entwicklung von etwas Neuem ermöglicht; und genau das ist die Menopause – dein Zeit des Wandels.

Wenn die Nierenenergie sin Balance ist, stark ist, befreit von Angst ist, sich in einem Zustand ausgeglichener Gesundheit zeigt, entstehen Gefühle tiefer Verbundenheit mit allem Leben, Gefühle von Ehrfurcht und Staunen sowie ein tiefes Empfinden von Zufriedenheit und Geborgenheit im Körper.

Dann stellt sich ein Gefühl der Verkörperung des Selbst ein – anders ausgedrückt: die Begegnung und Durchdringung unseres Geistes mit dem Körpers, sodass die Lebenserfahrung unserer Seele im gegenwärtigen Augenblick spürbar wird.

Die Nieren nähren

Die Nieren lassen sich nähren, indem man du dir wirklich Zeit für Stille, Ruhephasen und Schlaf nimmst.

Sie profitieren von tiefem Schlaf, der gesunde, stärker am Sonnenlauf orientierte Schlafzyklen unterstützt.

Zudem können die Nieren durch Ernährung, Kräuterheilkunde, Wasser, sexuelle Selbstermächtigung, Traumaarbeit, emotionale Verletzlichkeit, Loslassen, Weichwerden und Lebenszufriedenheit genährt werden.

In Bezug auf die Menopause bedeutet es, dass sich in dieser Zeit einfach alte Themen direkt durch den Körper ausdrücken. Dass, wovor du am meisten Angst hast, wird dich so triggern, dass der Körper darauf reagiert.

Das ist heruafordernd – keine Frage. Es ist phasenweise die dunkle Nacht der Seele.

Der Aufenthalt im Wasser – sei es im Meer, im See, im Fluss oder in heißen Mineralquellen – hilft, die Niere zu nähren und zu beruhigen (sofern keine Angst vor dem Wasser oder den darin lebenden Lebewesen besteht!).

Auf spiritueller Ebene kannst du Nieren nähren: Durch die stetige Reflexion über deine Lebensrichtung und -absicht sowie durch das Ergründen deiner Wege und wie du diese zum Ausdruck bringen und verkörpern kannst.

Was ich spüre, ist: Dass wir Frauen, nach der Menopause unseren Weg, unsere höhere Berufung ganz klarvor usn stehen haben, und der Weg wird in der Zeit davor bereitet. Unsere höhere Berufung sieht nicht immer so aus,wie unser Verstand es haben möchte und die innere Kämpfe die man ausrägt, können she anstrengend sein.

Im Endeffekt braucht die Welt Frauen,die ganz in Kontakt mit ihrer Kraft erblühen und sich übervoll mit ihren Gaben und ihrer nährenden Essent in die Welt ergiessen.