Deine Libido

Du liegst abends im Bett, dein Partner schaut dich voller Erwartungen an – und du denkst dir innerlich: „Ich bin soooo müde.“

Kein Funke Lust ist in dir wahrnehmbar.
Der Körper nur schwer.

Wenn diese Phase länger dauert, beginnt man sich zu fragen: Übersteht das meine Beziehung? Und: Bin ich krank?

Die Libido ist keine gleichbleibende Flamme, die entweder brennt oder nicht. Sie ist ein lebendiges, atmendes, zyklusabhängiges, hormongetriebenes, von Stress und Trauma geformter Aspekt von dir.

Wenn du verstehst, wie sie funktioniert, kannst du aufhören, dich selbst zu verurteilen oder zu glauben, dass du körperlich nicht gesund bist, und anfangen, mit dich mit deiner Libido durchs Leben zu bewegen.

Was die Wissenschaft sagt (und warum das ziemlich interessant ist)

Libido ist Biologie, Psychologie und Energiefeld in einem.

Auf hormoneller Ebene spielen vor allem Testosteron, Östrogen und Progesteron die Hauptrollen – und zwar bei Frauen genauso wie bei Männern, nur in anderen Mengenverhältnissen.

Eine Studie aus dem Journal of Sexual Medicine (2010) zeigte, dass Frauen mit niedrigem Testosteron-Spiegel signifikant weniger sexuelles Verlangen berichten – auch wenn der Östrogenspiegel normal ist. Das ist wichtig, weil Testosteron bei Frauen oft vergessen wird. Es ist nicht nur ein „Männerhormon“.  Auch Frauen brauchen Testosteron.

Gleichzeitig weiß die Stressforschung seit Jahrzehnten: Chronisch erhöhtes Cortisol – das klassische Burnout-Hormon – senkt aktiv die Libido. Der Körper schaltet im Überlebensmodus auf „Fortpflanzung: deaktiviert“.

Der Sinn ist evolutionär und der innere Säbelzahntiger lässt dich nicht so sehr entspannen, dass du in eine sinnliche Stimmung kommst.

Und dann gibt es noch das Gehirn. Emily Nagoski, Autorin des Bestsellers Come As You Are, beschreibt in ihrer Forschung zwei Systeme: das sexuelle Gaspedal (alles, was dich erregt) und die sexuelle Bremse (alles, was dich hemmt).

Die meisten Menschen glauben, sie hätten zu wenig Gas. Aber oft ist es umgekehrt: Die Bremse ist einfach zu stark angezogen – durch Stress, Scham, alte Überzeugungen oder Erschöpfung – und einer Yoni, einem Becken, dass nie vollständig aktiviert wurde.

Dieses Überfokussiert auf Stress, bzw innere Gefahr zu sein, versetzt dich in einen ständigen Alarm Modus und alles was von außen kommt, fühlt sich noch mehr als Bedrohung für dich und auch deinen Körper an.

Man wird von diesen Stresshormonen abhängig und beginnt ihn als „Normalzustand“ zu sehen. Der nächste Kick, die nächste Aufregung, nicht ruhig sitzen können. All dies führt dazu, dass du auf körperlicher Ebene in diesem Stress gefangen bist.

Interesse an Sex gibt es nicht, weil du immer knapp vorm fliehen oder kämpfen bist, und in dir mobilisieren sich ALLE Kräfte, die du hast. Sie ziehen quasi aus dem ganzen Körper Energie heraus, und geben sie in eine Grundanspannung, die du auch dauerhaft spürst.

Im Stressmodus ist die Energie mit den unteren Energiezentren in deinen Körpern gebunden und die Lebensenergie oder die sexuelle Energie fließt nicht mehr in dein Herz.

Sie ist in den unteren Chakren gebunden, aber erreicht dein Herz nicht.

Und gerade für Frauen ist dies so wichtig, weil die weibliche sexuelle Energie beginnt sich zuerst im Herzraum bemerkbar zu machen und auszudehnen, bis sie die Yoni erreicht.

Der sexuelle Austausch der Frau fließt hauptsächlich über das Herz.

Diese angestaute Stressenergie schwächt dich, wenn du dann Sex hast, weil die Müdigkeit durchkommt und es mehr in Richtung Entladung und Reibung geht, auch bei Frauen.

Dein Zyklus ist kein Zufall

Wenn du noch menstruierst: Deine Libido bewegt sich in einem Rhythmus. In der Follikelphase (kurz nach der Periode) steigen Östrogen und Energie. Zur Ovulation – dem Eisprung – bist du hormonell auf dem Höhepunkt deiner Anziehungskraft. Die Natur hat kein schlechtes Timing.

In der Lutealphase hingegen zieht sich die Energie nach innen. Weniger Lust, mehr Reflexion.

Im Tantra spricht man von der Energie der Prakriti – der weiblichen Schöpfungskraft – die sich in Wellen bewegt, nicht in geraden Linien. Das ist eine rhythmische Bewegung im Körper.

Was Yoga mit deiner Libido zu tun hat

Eine Studie im Journal of Sexual Medicine (Dhikav et al., 2010) untersuchte 40 Frauen, die über 12 Wochen regelmäßig Yoga praktizierten.

Ergebnis:
Signifikante Verbesserungen in allen sechs Bereichen des weiblichen Sexualfunktionsindex – von Verlangen über Erregung bis zu Befriedigung.

Warum?
Yoga aktiviert den Parasympathikus – das Nervensystem der Ruhe und Öffnung. Und nur in diesem Zustand ist ein Lustempfinden möglich.

Besonders wirkungsvoll für die Libido sind hüftöffnende Asanas wie Baddha Konasana (Schmetterling), Eka Pada Rajakapotasana (Taube) und Malasana (Hockposition). Sie öffnen den Beckenbereich – wo im tantrischen Verständnis die Svadhisthana-Energie sitzt, das Sakiral Chakra, Zentrum von Kreativität, Sinnlichkeit und Lebensfreude.

Das Beste, was du tun könntest, ist der Devadasi Kurs, weil du hier lernst, wie du die Yoni stark machst, nicht nur den Beckenboden.

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Tantra: Die älteste Weisheit über Lust

Tantra ist kein Kurs in exotischen Sexualtechniken. Tantra ist eine jahrtausendealte spirituelle Praxis, die Körper, Energie und Bewusstsein vereint. Im tantrischen Weltbild ist sexuelle Energie – Shakti – heilige Lebenskraft.

Sie ist weder schmutzig, noch gefährlich. Aber wenn losgelassen, etwas schwer wieder zu zähmen.

Die tantrische Praxis arbeitet mit Pranayama (Atemübungen), um die Lebensenergie durch den Körper zu lenken.

Eine tiefe, bewusste Bauchatmung stimuliert den Vagusnerv, reguliert das Nervensystem und öffnet den Körper generell für mehr Empfinden.

Hier ist eine einfache Übung für dich:
Lege dich auf den Rücken, eine Hand auf den Bauch, eine auf das Herz. Atme tief in den Bauch, zähle bis 4. Halte kurz an. Atme aus, zähle bis 6. Wiederhole das 10 Mal. Beobachte, was passiert.

Viele Frauen berichten mir, dass sie nach dieser Übung zum ersten Mal seit Wochen wirklich in ihrem Körper ankommen.

Was dir helfen kann, um deine Libido zu steigern:

Ohne großes Drumherum – das sind die Dinge, die laut Forschung und tantrischer Praxis tatsächlich helfen:

  • Schlaf. Ernsthaft. Eine Studie der University of Michigan (2015) zeigte, dass eine zusätzliche Stunde Schlaf die Wahrscheinlichkeit sexueller Aktivität um 14 % erhöhte.
  • Bewegung. Nicht als Strafe, sondern um deinen Körper gut durchzuarbeiten, inklusive Schwitzen. Eigentlich wäre es gut, jeden Tag zu schwitzen und den Kreislauf richtig gut zu puschen.
  • Yogische Hüftöffner. Jeden Tag, auch nur 10 Minuten.
  • Atemarbeit. Vagusnerv-Aktivierung = Parasympathikus = Lust.
  • Weniger Cortisol. Was auch immer dich stresst, finde eine Lösung, weil es kostet dich wertvolle Hormone.
  • Selbstberührung als Praxis. Dein Körper lernt Lust durch Aufmerksamkeit.
  • Offene Kommunikation. Mit dir selbst und mit deinem Partner.
Ein letzter Gedanke

Die Libido ist ein Spiegel deines Lebens, deines Körpers und deines Energiehaushaltes.
Sie zeigt dir, wie es dir wirklich geht – mit dir selbst, in deinen Beziehungen, in deinem Leben und mit dem Weg deiner Seele.

Wenn sie weniger geworden ist, frag sie einfach:
Was brauchst du?

Und dann hör aufmerksam hin.

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Quellen (Auswahl):

  • Shifren, J. L. et al. (2010). Sexual problems and distress in United States women. Journal of Sexual Medicine.
  • Dhikav, V. et al. (2010). Yoga in female sexual functions. Journal of Sexual Medicine.
  • Kalmbach, D. A. et al. (2015). The impact of sleep on female sexual response. Journal of Sexual Medicine.
  • Nagoski, E. (2015). Come As You Are. Simon & Schuster.